Eigentlich freute man sich in der Gemeindeverwaltung, speziell der Kämmerei, über gute Steuererträge in 2025 und hoffte auf überschüssige Einnahmen. Aus den in der gemeindlichen Kämmerei vorliegenden Finanzdaten wurden so der Gemeinde im November 2025 die aktuellen Plandaten für den Kommunalen Finanzausgleich sowie die Kreis- und Schulumlage übermittelt. Ergebnis: Aus dem vermeintlichen Plus wurde plötzlich ein dickes Minus für unseren Haushalt, da nun Ludwigsau (die scheinbar Reiche) 647.000 € weniger Schlüsselzuweisungen erhält und an den Landkreis 515.000 € mehr bezahlen muss, im Saldo von Mindereinnahmen und Mehrausgaben also 1.165.000 € weniger zur Verfügung stehen. Soviel, dass Ludwigsau erstmals seit Jahrzehnten Schulden aufnehmen muss.
Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, warum diese Entwicklung offenbar niemanden in der Kämmerei – dort sitzen ja die Finanzprofis – im Laufe des Jahres aufgefallen ist. Oder ist es ihnen aufgefallen und die Entscheidungsgremien haben nicht reagiert? Die Berechnung von Schlüsselzuweisungen und Kreisumlage stellen das klassische Instrument kommunaler Finanzplanungen dar. Jeder konnte also ahnen, was kommt und hätte rechtzeitig gegensteuern können. Man hätte beispielsweise relativ schnell einen Teil der ohnehin dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen im komplett maroden Frischwasser- und Kanalleitungsnetz vornehmen können, um keine Finanzüberschüsse zu produzieren.
Die Unterlassung dieser klassischen Maßnahme kann jedenfalls nicht mit Personalmangel in der Kämmerei erklärt werden, da man hier seit geraumer Zeit überbesetzt ist.